Die technischen Ären der Formel 1, Teil 1/4
Die Formel-1-Saison 2026 steht vor der Tür und es wird viel darüber gesprochen, dass es der Beginn einer neuen technischen Ära sein wird. Es ist nicht das erste Mal, dass das Regelwerk geändert wird und auch nicht das erste Mal, dass von einer neuen Ära gesprochen wird. Aber ist es bloß ein kleiner Bruch oder beginnt eine neue Epoche der Formel-1-Geschichtsschreibung?
Der beste Weg um das heraus zu finden, ist es, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Dabei lassen sich neben dem, was später als Ära bezeichnet wird, auch längere Phasen, regelrechte Epochen, ausmachen. Aber der Reihe nach:
Die Anfänge. Wie die Formel 1 ins Rollen kam (1947–1965)
Beginnen wir unseren Rückblick also mit dem Start der FIA-Formel-1-Meisterschaft im Jahr 1950… oder nicht? Tatsächlich können wir noch ein paar Jahre weiter zurückgehen. Im Jahr 1947 wurde von der FIA in Paris ein äußerst schlankes Regelwerk für das verabschiedet, was wir später als Formel 1 kennenlernen sollten: Die Autos konnten entweder mit 4,5-Liter-Saug- oder 3,0-Liter-Kompressormotoren ausgestattet sein. Ansonsten gab es wenig Einschränkungen, nicht einmal ein Gewichtslimit.
Gleichzeitig wurden übrigens weitere Regeln für eine zweite Formel-Serie festgelegt, die unterhalb der ersten angesiedelt sein sollte. Für diese Formel 2 wurde festgelegt, dass die Fahrzeuge entweder mit einem 2,0-Liter-Saugmotor oder mit einem 0,5-Liter-Kompressormotor ausgestattet sein durften.
Es war eine gute Idee, dass diese beiden Regelwerke fertiggestellt wurden. Denn als die Fahrerweltmeisterschaft 1950 ins Leben gerufen wurde, befand sich die europäische Wirtschaft wegen des vorangegangenen Weltkriegs noch immer in einer Krise. Zwar rüsteten einige Hersteller ihre Vorkriegsfahrzeuge auf, aber es gab einfach noch nicht genug Autos, um die Startplätze bei den ausgetragenen Veranstaltungen zu füllen! Nach zwei Jahren, die von der Dominanz des Alfa Romeo 159 (einem Vorkriegsmodelle) geprägt waren, wurde beschlossen, die FIA-Fahrer-Weltmeisterschaft ab 1952 nicht mit der Formel 1, sondern mit den Formel-2-Regeln auszutragen.
Im Laufe der 50er-Jahre erholte sich die europäische Wirtschaft; für Deutschland hat sich hier der Begriff Wirtschaftswunder eingebürgert. Die FIA beschloss in der Hoffnung auf neue Teilnehmer die erlaubte Motorgröße für 1954 wieder zu erhöhen. Ab diesem Jahr waren 2,5-Liter-Saugmotoren und 0,75-Liter-Kompressormotoren zugelassen. Der Wunsch erfüllte sich und diese dritte Ära der Formel 1 prägte sogar ein deutscher Hersteller mit: Mercedes-Benz mit seinen Silberpfeilen.
Diese dritte Ära sollte bis einschließlich 1957 reichen, denn 1958 fanden drei wichtige Dinge statt.
Erstens: Das Regelwerk wurde geringfügig überarbeitet und die Verwendung von handelsüblichem Benzin vorgeschrieben.
Zweitens: Zum ersten Mal wurde eine Hersteller-Meisterschaft ausgeschrieben. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nur eine Fahrermeisterschaft.
Drittens (und vermutlich am wichtigsten): Colin Chapman vom Team Lotus kam auf die Idee den Motor in der Mitte des Autos zu platzieren, statt vorne. Die Idee setzte sich durch und wurde sofort kopiert. 1958 sollte dementsprechend das letzte Mal sein, dass ein Auto mit Frontmotor ein Rennen gewann.
Diese dritte Ära der Formel 1 sollte aber auch nur ein paar Jahre halten, denn für 1961 sollte das Regelwerk neu geschrieben werden.
Aber solange wir noch in den 50er-Jahren sind eine Erwähnung am Rande: Bis einschließlich 1960 waren auch die 500 Meilen von Indianapolis Teil der FIA-Weltmeisterschaft. Aber zum einen fuhren dort in den Vereinigten Staaten nur selten Autos aus Europa und zum anderen wurde dort ein ganz anderes technisches Reglement benutzt. Deswegen wurden diese Rennen für die Frage nach technischen Ären der Formel 1 ignoriert.
Kommen wir aber zurück nach Europa und zurück zum Beginn der fünften Ära.
Für die Saison 1961 wurde das Regelwerk neu geschrieben. Die Autos sollten eingebremst werden, damit sie die Strecken, die häufig noch aus der Vorkriegszeit stammten, überhaupt halbwegs sicher befahren konnten.
Kompressormotoren wurden deshalb komplett verboten. Das war aber nicht so wichtig, denn bisher waren die ein Papiertiger geblieben. Kein Konstrukteur hatte einen in der Weltmeisterschaft eingesetzt.
Viel wichtiger war, dass die neue Motorenformel deutlich kleinere Saugmotoren vorschrieb. Maximal 1,5 Liter Hubraum waren noch erlaubt, die 2,5 Liter von vorher waren Geschichte.
Das Regelwerk enthielt darüber hinaus aber noch mehr. Zum ersten Mal war ein Mindestgewicht von 450 kg festgeschrieben. Hinzu kamen eine Menge Vorschriften über Dinge, die bis zu diesem Punkt mal mehr und mal weniger weit verbreitet waren: die Räder mussten offen liegen, die Autos automatische Starter und Überrollbügel besitzen.
Standardisierte Sicherheitsgurte, Gedanken über das grundsätzliche Thema Brandschutz und die Vorschrift Helme und Overalls zu tragen: das waren erste, kleine Schritte in Richtung Sicherheit.
Um das alles einmal in Perspektive zu setzen: All diese Dinge waren zuvor nicht Teil des Regelwerks. Waren die Änderungen genug? Nun, das ist eine ganz andere Geschichte. Zumal die Fahrzeugentwicklung gerade erst so richtig an Fahrt gewinnen sollte.
Ohne die große Regeländerung im Jahr 1961 könnte man auch 1962 als Beginn der Ära bezeichnen. In diesem Jahr führte Lotus führte das Monocoque-Chassis ein und andere folgten schnell. Das Lotus-Chassis bestand vollständig aus Aluminium, und ersetzte die bisherigen Stahlrohrrahmen.
Aber das war nicht das einzige, was in der nächsten Ära entwickelt werden sollte. Die vierte Ära der Formel 1 war davon geprägt, dass die Autos immer schneller entwickelt wurden. Mit der fünften Ära kündigte sich bereits etwas an, was die Ären der kommenden Epochen der Formel-1-Geschichte prägen sollte: Die Fahrzeug-Entwicklung wurde immer rasanter.
Die Einführung von Fahrer- und später Herstellermeisterschaft, die Abhängigkeit von wirtschaftlichen Umständen, erste Gedanken über das Thema Sicherheit und am Ende dann ein Regelwerk mit Konturen. Konturen, die die Entwicklungen der Hersteller in eine einheitliche Form leiten sollten.
In vielerlei Hinsicht war die erste Epoche grundsteinlegend für das, was in der Zukunft folgen sollte. Aber die Hochzeiten der Formel 1 standen noch voraus.
Ären der ersten Epoche:
1947–1951 Die Anfänge
1952–1953 Formel-2-Regeln
1954–1957 Rückkehr zu größeren Motoren
1958–1960 Mittelmotoren
1961–1965 Erste Sicherheitsgedanken?